GIETHOORN - Wer Giethoorn besucht, erlebt Brücken, Wasser, Reetdächer und schmale Grachten. Doch das Dorf hat noch eine andere Seite. Am Binnenpad steht die Mennonitenkirche von Giethoorn, ein besonderer Ort für alle, die während ihres Aufenthalts auch Stille, Geschichte und Besinnung suchen.
Ab dem 12. April fing wieder die Saison der Offenen Kirche an. Bis Ende Oktober heißt die Kirche Besucher willkommen, die kurz eintreten, eine Kerze anzünden oder einfach einen stillen Moment genießen möchten. Auch das Falten einer kleinen Friedenstaube gehört zu den kleinen, persönlichen Gesten, die diesen Ort besonders machen.
Nach der Restaurierung ist die Kirche wieder für Besucher geöffnet. Im Inneren befindet sich eine Dauerausstellung über Religionsfreiheit im Moorgebiet. Damit ist die Kirche nicht nur ein schönes historisches Gebäude, sondern auch ein Ort, an dem die Geschichte von Giethoorn auf stille und eindrucksvolle Weise spürbar wird.
Eine der ältesten mennonitischen Gemeinden der Niederlande
Die Mennonitengemeinde von Giethoorn gehört zu den ältesten der Niederlande. Bereits im 16. Jahrhundert gab es hier eine Glaubensgemeinschaft. Zwischen 1563 und 1565 taufte Leendert Bouwens, einer der bekanntesten mennonitischen Ältesten seiner Zeit, in Giethoorn fünf Personen. Dieses kleine historische Detail zeigt, wie tief diese Tradition hier verwurzelt ist. Giethoorn war damals in gewisser Weise ein Zufluchtsort für eine religiöse Minderheit.

Schlichte Schönheit im Herzen des Dorfes
Die Vermaning am Binnenpad ist das sichtbare Zentrum der mennonitischen Gemeinde in Giethoorn. Das heutige Kirchengebäude stammt aus dem Jahr 1871 und ist ein nationales Baudenkmal. Mit seinen Rundbogenfenstern, dem kleinen Türmchen und der zurückhaltenden Architektur strahlt es genau jene Schlichtheit aus, die zur mennonitischen Tradition passt. Gerade diese Bescheidenheit macht den Ort so eindrucksvoll.
Über dem Eingang steht der Satz: "Einer ist euer Meister, nämlich Christus, und ihr seid alle Brüder.“ Diese Worte passen bis heute zum Charakter des Gebäudes: offen, schlicht und auf das Wesentliche gerichtet. Auch die Orgel im Inneren hat ihre eigene Geschichte. Sie wurde 1911 vom Orgelbauer Jan Proper aus Kampen gebaut und nach einer späteren umfassenden Erneuerung 1988 wieder in Gebrauch genommen.
Ein Besuch, der Giethoorn eine weitere Dimension gibt
Wer Giethoorn nur vom Wasser aus betrachtet, sieht viel Schönheit. Wer auch die Mennonitenkirche besucht, entdeckt eine zusätzliche Schicht des Dorfes: seine geistliche und gesellschaftliche Geschichte. Gerade in einem lebendigen Ort wie Giethoorn ist ein solcher Platz von besonderem Wert. Wer zwischen April und Ende Oktober am Binnenpad vorbeikommt, kann einfach eintreten. Für Ruhe. Für einen Moment der Besinnung. Oder einfach aus Neugier.


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